Trump: Erstmal euer Öl sichern

Trump zieht die Truppen im Norden Syriens ab. Begründung: ISIS (Daesh) sei besiegt worden. Die Aufgabe der amerikanischen Soldaten vollendet. Anschließend werden amerikanische Soldaten weiter nördlich Syriens stationiert, dort wo sich die Ölfelder Syriens befinden. Begründung: Er will die Ölfelder vor der ISIS „schützen“, die die amerikanischen Soldaten vorher besiegten. 

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Vorwand: Ölfelder schützen

Tatsächlich hat Trump, sowie die gesamte restliche Staatengemeinschaft, ein Interesse daran, dass das Gebiet der Ölfelder nicht in die Hände von Terroristen gelangt. Die ISIS hätte eine Finanzquelle bester Qualität, mit denen sie ihre terroristischen Aktivitäten und ihre gesamten Kapazitäten erweitern könnten. Doch der bessere Deal wäre nicht nur Besetzung, sondern Nutzung der ölreichen Gebiete. Vor dem Hintergrund, dass Amerika einen hohen Bedarf an Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas hat, wäre die Nutzung ein naheliegender, fast schon notwendiger Schritt. Donald Trump selbst sagt zur Situation in Syrien: „Sollen Sie die Grenze übernehmen. Wir wollen das gar nicht.“ Was will er denn? Öl.

„[…] wir haben Soldaten zurückgelassen, um das syrische Öl zu sichern. Ich mag Öl. Wir behalten es[…]“, so Donald Trump bei einer Stellungnahme des Weißen Hauses. "[…] Und wir werden es schützen und wir werden entscheiden, was wir in Zukunft damit machen werden." 

Hier findet ihr die Aussagen Trumps bezüglich des Öls: https://www.youtube.com/watch?v=SaS0yidvNV0

Doch damit sind wir noch nicht an der Spitze der Dreistigkeit angelangt, denn Trump will zusätzlich allen anderen Akteuren in diesem Land den Zugang zu den Feldern verweigern. So informierte die New York Times, dass die 200 Mann starke US-Spezialeinheit "[...] das Vorrücken syrischer Regierungstruppen und russischer Kräfte zu den begehrten Ölfeldern der Region […]  unterbinden" will. 

Wahlkampf 2020 

„Wir wollen unsere Soldaten Nachhause holen.“

2020 finden in Amerika Präsidentschaftswahlen statt. Außerdem machen ihm die Demokraten des Landes Druck durch ein „Impeachment-Verfahren“, durch das Trump theoretisch seines Amtes enthoben werden könnte. Das Bild aus dem Krieg zurückkehrender Soldaten und die Beendigung der „sinnlosen Kriege“ kann ebenfalls im Lichte einer Wahlkampfstrategie gesehen werden. Zumal er nun doch Soldaten zurückgelassen hat, „[…] um das syrische Öl zu sichern.“

Das laute Schweigen der EU

Nehmen wir die Situation wie sie ist: Nach Angaben Donald Trumps sei der IS besiegt. Daher müssen die amerikanischen Soldaten nicht mehr an der Grenze aktiv sein. Er gibt den Befehl zum Rückzug und ist darüber informiert, das die Türkei über die Grenze einmarschieren wird, um „den Terrorkorridor“ hinter der Grenze zu beseitigen. Anschließend schickt Donald Trump amerikanische Soldaten, um das syrische Ölgebiet zu besetzen und spricht davon, syrische Erdölvorkommen zu „behalten“. Die Inanspruchnahme der Ressourcen eines fremden Landes ist eindeutig ein Eingriff in die staatliche Souveränität, wenn nicht sogar mehr. Schon einmal verletzte Donald Trump die syrische Souveränität, indem er das von Israel annektierte Gebiet der Golanhöhen im Süden Syriens, als Israelisches Staatgebiet "anerkannte". Schon damals versuchte das syrische Außenministerium ihm klar zu machen, dass Trump "keine legitimen Rechte auf die juristische Abfertigung der Besatzung sowie der gewaltsamen Eroberung fremder Gebiete" habe.

Wenn man in einem Geschäft stiehlt, wird man dem Gesetz nach für Diebstahl verurteilt. Der Unterschied bei dem Ladendieb und Donald Trump ist jedoch der, dass der Ladendieb Mühe aufwendet, nicht gesehen zu werden. Donald Trump jedoch tut es vor den Augen der Welt, weil er es kann. Auch wieder die europäische Gemeinschaft, die nicht zögerte den türkischen Eingriff auf die staatliche Souveränität Syriens zu verurteilen, bei dem amerikanischen jedoch eher flüsternd sprach.

Alte Ziele, neue Mittel: Regimewechsel

Entgegen dem Bild der Abziehenden Soldaten und dem Ende der "sinnlosen Kriege", hat Trump das amerikanische Ziel eines Regimewechsels nicht aufgegeben, im Gegenteil: Die Strategie ist nur eine Andere. Die amerikanische Regierung will Assad um jeden Preis von der Macht "entfernen". Mit militärischen Mitteln scheint es nicht zu klappen, wie es die letzten Jahre offenbarten. Nun bringt Donald Trump mit nur 200 Mann einer Spezialeinheit die wichtigste Geldquelle des Landes unter seine Kontrolle und kann so Druck ausüben. Wie Russland und der syrische Machthaber Assad darauf reagieren werden, wird sich zeigen. Doch Eines ist sicher: Zur Entspannung der Situation wird es nicht beitragen.


Russland verurteilt Trumps Besatzung 

Russland zumindest nimmt kein Blatt vor den Mund: Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums,  Major General Igor Konashenkov, sagte in einer Stellungnahme: “Unter dem Schutz des US-Militärs und der Mitarbeiter privaten US-Söldner werden die gefüllten Tanker von Ölfeldern in Ostsyrien in andere Länder geschmuggelt. Im Falle eines Angriffs auf eine dieser Karawanen sind Spezialeinheiten und die US-Kampfflieger sofort bereit, um sie zu schützen”. Diese Aussage gründet auf Beweisen: Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte Satellitenbilder, die nachweisen, dass amerikanische Truppen tatsächlich syrisches Öl stehlen. “Satellitenbilder zeigten, dass das Öl aktiv gefördert und massiv zur Verarbeitung außerhalb Syriens exportiert wurde, unter dem zuverlässigen Schutz von US-Truppen, und das vor und nach der Niederlage des IS.”, so General Igor Konashenkov. 

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Dieses Satellitenbild, welches am 23. August aufgenommen wurde, zeigt die Ölsammelstelle Tall Daman. Er zeige einen Stau von Tanklastwagen. “Es gab 90 Fahrzeugeinheiten, darunter 23 Tankwagen”. 

Nach dem Sprecher des Verteidigungsministeriums sei die Ursache für diese Aktivitäten "weit entfernt von den Idealen der Freiheit und den von Washington verkündeten Anti-Terror-Parolen". So gebe es “Weder im Völkerrecht noch im US-Recht einen rechtlichen Zweck für US-Truppen, syrische Rohstoffe vor Syrien selbst und seinem Volk zu schützen”. 

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Aleksandra N.D. Engler

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