Angriffe auf Gaza lassen Gewalt erneut eskalieren

Am Dienstag vergangener Woche (12.11.2019) bombardierten israelische Streitkräfte ein Haus im östlichen Teil des Gaza Streifens. Als Antwort wurden in der Nacht zum 13.11. hunderte Raketen in Richtung Israel abgefeuert, woraufhin die Gewalt eskalierte. Die IDF (Israel Defense Forces) twitterte am folgenden Tag (14.11.), das derzeit „islamische Terrorziele des Dschihad in Gaza“ angegriffen werden, nachdem „wahllos Raketen aus Gaza auf israelische Zivilisten abgefeuert wurden.“ Und so dreht sich die Gewaltspirale immer weiter. Angesichts der neuen Gewalt wurde unter Vermittlung Ägyptens eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Islamischen Dschihad vereinbart.

Anführer des „Islamischen Dschihad“ getötet

Ziel der Mission am 12.11 war es, Bahaa Abu al-Ata zu eliminieren, den Anführer des „Islamischen Dschihad in Palästina“. Netanjahu zufolge sei er für mehrere Raketenangriffe auf Israel verantwortlich und somit eine unmittelbare Bedrohung für die nationale Sicherheit. Bei dem Angriff kamen Ata sowie seine Frau ums Leben. Sie hinterlassen das Waisenkind Layan. Das Mädchen berichtet in einem Radiointerview, sie habe geschlafen als die Bombe eingeschlagen hatte. Durch den Einschlag wurde sie am Bein verletzt. „Mein Vater wollte mich überraschen und meinen Geburtstag feiern, doch ich weigerte mich, weil ich meine Ausgaben sammelte, um seinen Geburtstag am 25.November zu bezahlen.“

Als Vergeltungsschlag auf die Tötung Atas wurden Raketen nach Israel gefeuert. Die Großzahl dieser Raketen aus Gaza werden von dem Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ abgefangen. Dennoch treffen zahlreiche der Raketen: Unter den betroffenen Gebieten auf israelischer Seite gehört die Küstenstadt Aschkelon im Süden, 15 Minuten vom Gazastreifen entfernt. Ebenfalls in der Siedlung Moschav in der Nähe Aschkelons und in der Kleinstadt von Sderot gingen am Dienstag immer wieder Sirenenalarme los. Manche der Raketen seien sogar bis Tel Aviv gelangt. Dort forderte man Ladenbesitzer auf, ihre Geschäfte geschlossen zu halten. Schulen wurden wegen der Gefahr geschlossen sowie der Zugverkehr im Süden eingestellt.

Israel antwortet mit Luftschlägen auf Zivilgebäude

Als Reaktion auf die Angriffe wurden von israelischer Seite Luftanschläge auf Gebäude in Gaza geflogen. Die zerstörten Einrichtungen waren jedoch keine Militärstellungen der Hamas oder des Islamischen Dschihad: Bei den Gebäuden handelt es sich um Wohnhäuser der Zivilbevölkerung. So berichten Zahlreiche Palästinenser über die Zerstörung ihrer Wohnungen. Eine Palästinensische Frau berichtet über einen Anruf, sie habe fünf Minuten um ihr Haus zu verlassen. Auf Nachfrage, warum sie ihr Zuhause bombardieren wollen, obwohl es keine Kämpfer hier gibt wurde ihr gesagt sie solle nun gehen. Anschließend wurde ihr Haus zerstört. Bei einem Luftangriff kamen ein Vater und zwei seiner Söhne ums Leben. "Das war keine Militärstellung, das war das Zuhause von acht Personen, warum haben sie es bombardiert?", berichtet ein anderer Mann. Doch es sollte sich  noch herausstellen, dass diese Menschen Glück im Unglück hatten.  

acht Familienmitglieder sterben

"Wir dachten es war niemand im Haus."

Bei dem Vergeltungsschlag am 14.11.2019 wurde ein Haus in Deir al Balah getroffen. Bei dem Bombardement sind insgesamt acht Mitglieder der Familie al-Sawarkah gestorben. Unter den Opfern war der 7-jährige Muath Mohammed, Muhannad (12), Wassim (13), sowie der Vater Rasmi al-Sawarkah (45) und die beiden Frauen Maryam (45) und Yousra (39) getötet. Aus den Trümmerhaufen wurden die Leichen zweier Kleinkinder geborgen, dessen Namen jedoch nicht veröffentlicht wurde. Das Haus wurde komplett zerstört, jedoch hat das Mädchen Noor überlebt. In einem Interview sagte sie: „Ich habe keine Schuluniform, Bücher oder einen Schulranzen mehr. Wie sollen meine Geschwister und ich so zur Schule gehen?“

Ein Nachbar erzählt der „Haaretz“ über die Familie: Sie haben davon gelebt „Schafe zu hüten“ und waren als „sehr einfache, arme Menschen bekannt.“

Wie konnte es zur Bombardierung eines zivilen Gebäudes kommen, bei der nahezu eine ganze Familie ausgelöscht wurde? Nach Angaben der Haaretz wurde der Angriff „ohne vorherige Inspektion der zivilen Präsenz am Standort“ durchgeführt. Die Armee klassifizierte das Gelände als militärischen Trainingskomplex. Jedoch besteht schon allein die Hälfte der Stadt, nämlich 25.569 Menschen aus dem gleichnamigen Flüchtlingslager. Dort werden die Menschen von den UNRWA (united nations relief and works agency for palestine refugees in the near east) unterstützt. Die Organisation wurde 1949 von den Vereinten Nationen zur Hilfe palästinensischer Flüchtlinge geründet.

Das Verteidigungsquellen, so die Haaretz, haben bestätigt, dass das Gebiet zu keinem Zeitpunkt auf die Anwesenheit von Zivilisten überprüft wurde. Der Angriff wurde demnach ohne vorherige Inspektion der Zivilen Präsenz am Standort durchgeführt.

Der Sprecher des israelischen Militärs auf Arabisch, Avichay Adraee, sagte dass das Ziel bei dem Angriff angeblich der islamischer Dschihad-Kommandant  „Aby Malhous“ war. Er postete ein Bild des Mannes auf seinen offiziellen Seiten. Jedoch bestätigten nach Angaben der Haaretz Verteidigungsbeamte des IDF, dass ihnen niemand mit diesem Namen vertraut sei. Sie habe auch keine Informationen, die mit den Aussagen des Sprechers Adraee korrelieren würden. Ebenfalls behauptete er, das Gebäude sei ei Befehlsstand für eine Raketenstarteinheit des Islamischen Dschihad im zentralen Streifen. Wie es zu solchen Fehlinformationen kommen konnte ist ungewiss. Gewiss ist jedoch der Tod von acht Menschen.

Man hat bombardiert ohne sicherzustellen, das sich keine Menschen auf dem Gelände zu dem Zeitpunkt des Bombardements befinden und somit den Tot von Zivilpersonen in Kauf genommen. Die Pflicht der IDF wäre es gewesen, diese Wahrscheinlichkeit in höchstem Maße zu verringern, um die Bevölkerung zu schützen. Die Internationale Gemeinschaft kann und darf unter keinen Umständen zu einem solchen Massaker schweigen. Ob sie sich zu dem Vorfall jedoch noch in dem erhofften Ausmaß äußert und Israels Regierung zur Verantwortung zieht, wird die Zukunft zeigen.

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Aleksandra N.D. Engler

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