Angriff auf die Freiheit: Extremist schießt vor Synagoge

Ganz Deutschland diskutiert: In Halle an der Saale bewaffnet sich ein Mann mit Gewehr und Sprengstoff, versucht in eine Synagoge einzudringen und erschießt wahllos eine Frau die sich gerade in der Nähe aufhielt. Anschließend fährt er zu einem Dönerladen in der Nähe und erschießt einen Mann. Der Mann gelang nicht in die Synagoge, in der die Juden ihr höchstes Fest „Jom Kippur“ feierten. Die Kanzlerin Angela Merkel sprach bei einem Besuch in der Synagoge: „Mein Ziel ist es (…), dass wir alles tun, dass sie in Sicherheit leben können. Aber es zeigt sich auf bittere Art und Weise an diesem Tag, dass das nicht so einfach ist und das wir noch mehr tun müssen.“ Doch was meint Sie damit? Was sollen wir gegen Einzelne, radikalisierte und vernunftunfähige Bürger tun, die die Schuld ihres eigenen Versagens Minderheiten zuschieben? Sind wir nun gezwungen mehr Freiheit, für mehr Sicherheit aufzugeben? 

More...

Der Polizeischutz soll erhöht werden

Jetzt macht sich das Thema der Sicherheit wieder breit: Wieviel Sicherheit ist genug? Annegret Kramp-Karrenbauer, die Vorsitzende der CDU und Verteidigungsministerin, fordert nun mehr Schutz für die jüdischen Gemeinden. 

„Jüdische Einrichtungen müssen in Deutschland absoluten Schutz genießen“, sagte Kramp-Karrenbauer in einem Interview mit dem Tagesspiegel und behält damit auf ganzer Linie recht. Es muss geklärt werden, „warum die Synagoge in Halle an diesem hohen jüdischen Feiertag diesen Schutz nicht hatte.“ Doch das liegt im Grunde doch auf der Hand: Soll jede Synagoge an jüdischen Feiertagen, jede Moschee an islamischen und jede Kirche an christlichen Feiertagen in ihrem Gebäude von der Polizei geschützt werden, in ganz Deutschland? Wozu sind wir ein Rechtsstaat, eine Demokratie, in der die Freiheit gepriesen wird? Der Ansatz des „totalen Schutzes“ ist eine Illusion. Unter 82,98 Millionen Menschen in Deutschland wird sich immer Einer finden, der das Potenzial hat auszurasten. Es geht nicht nur darum explizit die jüdische Gemeinschaft zu schützen, sondern alle. Denn alle können von einem extremistischen Angriff betroffen werden, Christen, Muslime und Juden. Was in Halle geschah, ist die Folge eines tiefergehenden, allgemeineren Problems: Der Feindlichkeit gegenüber Andersgläubigen, Andersdenkenden. Und genau deswegen trifft der Anschlag so sehr: Es trifft den Kern unserer Demokratie, unserer hart erarbeiteten Freiheiten für jeden. 

Familienministerin Franziska Giffey möchte den Etat zum Kampf gegen Antisemitismus aufstocken. Ein Guter Schritt, doch die Diskussion ist zu engstirnig: Der Mörder von Halle ist nach seinem glücklicherweise gescheiterten Versuch in die Synagoge einzudringen, in einen Dönerladen marschiert und ermordete einen Menschen. Der Anschlag richtete sich gegen Juden und Muslime und er verunsichert nicht nur jüdische, sondern jede gläubige Minderheitsgemeinschaft in Deutschland. Es geht um die Sicherheit aller. Wäre es ein Fehler, sich gegen jegliche Form des Hasses, jegliche Form des Extremismus auszusprechen und den Etat für den Kampf gegen jede krankhafte Ideologie aufzustocken, die den Angriff auf Menschen rechtfertigen und unsere Verfassung missachten? Klar kann man den Polizeischutz verstärken oder besser noch die Armee vor jedes Gebäude platzieren, indem ein hoher Feiertag gefeiert wird. Doch wir müssen uns eingestehen das wir damit immer noch keine "absolute Sicherheit" hätten. Es muss die Quelle bekämpft werden, nicht nur die Auswirkungen. Die Quellen aus der solche Taten wie die Stephan B's entspringen wie rechte Netzwerke, Hass, Unverständnis und Instrumentalisierung und Polarisierung durch die Politik. 

​Zusammenfassung :

  •  Am 10.10.2019 fährt Stephan B. bewaffnet und mit Sprengkörpern ausgerüstet zu einer Synagoge in Halle an der Saale, in der die jüdische Gemeinschaft den höchsten Feiertag "Jom Kippur" feierten
  • Der Versuch in die Synagoge einzudringen scheiterte, er warf einen Sprengsatz über die Mauer auf den jüdischen Friedhof und erschoss eine Frau
  • Anschließend fuhr er in einen nahegelegenen Dönerladen und erschoss einen Mann  

Lang lebe das Grundgesetz!

Artikel 1 Absatz 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." 

Artikel 2 Absatz 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. […]“

Doch wie fordern wir dieses Recht ein? Wie können wir unsere Freiheit schützen und verteidigen? Durch Angst bestimmt nicht! Wenn man aus Angst handelt, gibt man diesen verfassungsfeindlichen Extremisten Macht. Es liegt keinesfalls nur in der Hand des Staates dieses Recht durchzusetzen. Wir als Bürger haben die Pflicht wachsam zu sein, wir müssen -ohne Gewalt! -gegen jede Form von Hass und Extremismus angehen, sei sie noch so klein. Der Junge in der Schule, der gemobbt wird, weil er Jude ist. Die Frau mit dem Kopftuch, die diskriminiert wird, weil sie optisch nicht ins Bild passt. Oder der Geflohene Afrikaner, der aufgrund seiner Hautfarbe ausgegrenzt wird. Die Deutschen müssen ein größeres Bewusstsein als  Volk bekommen. Wir haben eine große Verpflichtung gegenüber unserem Land und müssen unser Grundgesetz schützen. Ja, dazu heißt es nun mal auch seinen Mund auf zu machen wenn man Verstöße gegen das Grundgesetz im Alltag mitbekommt und Zivilcourage zu zeigen. Sich auf die Seite des diskriminierten zu stellen und ein Zeichen zu setzen: Wir haben tausend Gesichert aber wir sind ein Volk, ein Land und wir stehen füreinander ein! Das mag eine Unbequemlichkeit sein, doch sind exakt diese kleinen Handlungen das Entscheidende: Summiert man sie, ergeben Sie eine Energie, die sich dem Extremismus in den Weg stellt. Eine Energie, die das Grundgesetz und all ihre Freiheiten schützt. Das ist die Macht des Volkes. Rechtsextremisten sind widersprüchlich: Sie möchten ihr Land „schützen“, doch verstoßen gegen die Gesetze ihres Landes, falls Sie überhaupt wissen, was in dem Grundgesetz steht. Sie sind diejenigen, die das Land in Gefahr bringen, den Zusammenhalt, den Pluralismus. Lasst uns ein Zeichen setzen: Gegen Diskriminierung, für ein vielseitiges Deutschland! Denn das Gesetz kennt keinen Unterschied zwischen Jude, Muslim, Christ, Buddhist, schwarz, weiß, gelb, lila: Wir sind alle gleich!

About the author

Aleksandra N.D. Engler

Click here to add a comment

Leave a comment: