Duales Studium – Praxis und Theorie

Was ist der entscheidende Vorteil eines dualen Studiums? Im Gegensatz zu einem "normalen" Studiums, kannst du zu den Lehrveranstaltungen noch zusätzlich praktische Erfahrungen in einem Betrieb sammeln, dein Erlerntes gleich anwenden und den realen Alltag miterleben. Wir geben dir im folgenden die Erfahrungen von Studenten, die bestimmte duale Studiengänge gemacht haben, damit du einen Eindruck bekommst!

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Duales Studium „Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik“

Hallo, Ich bin Oliver. Meine Vorbereitungen auf mein Studium begannen bereits in den Sommerferien zwischen der elften und zwölften Jahrgangsstufe, also mehr als ein Jahr vor Studienbeginn. Der Grund dafür war, dass ich mich für ein duales Studium im Bereich Transport und Logistik entschieden hatte und anfing Bewerbungen zu schreiben. Nach dem ein oder anderen Bewerbungsgespräch stand ich zur Mitte des zwölften Schuljahres immer noch ohne Studienplatz da. Ich unternahm den Versuch über eine private duale Hochschule, die mich bei der Suche nach einem Praxispartner unterstützte. Ich hatte mittlerweile mein Abitur bestanden, als auch dieser Versuch zu scheitern drohte, nachdem es bei einem Unternehmen auch nach dem dritten Bewerbungsgespräch zu keiner Unterzeichnung eines Ausbildungsvertrags kam. Es waren keine zwei Monate mehr bis zum Start des Studienjahres im Oktober. Ich bewarb mich nun auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, unabhängig von der privaten dualen Hochschule. Ende August hatte ich dann innerhalb von wenigen Tagen drei Vorstellungsgespräche mit drei Zusagen. Ich entschied mich für die für mich beste Variante, eine mittelständische Spedition. Dort absolvierte ich noch ein viertägiges Praktikum, bevor ich einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag hatte. Ich kann nur mutmaßen warum ich nach einem Jahr vergeblicher Suche, dann doch noch meinen angestrebten Studienplatz hatte. Vermutlich war es meine Hartnäckigkeit und Ausdauervermögen, dass die Unternehmen überzeugten.

Wenig später, am 1. Oktober, begann dann mein duales Studium „Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik“ mit einer 11-wöchigen Theoriephase an einer Berufsakademie in Sachsen. Das drei Jahre andauernde Studium war so aufgebaut, dass jedes Semester mit einer 11- bis 12-wöchigen Theoriephase begann, bevor es zur Praxisphase ins Unternehmen arbeiten ging. Die Praxisphasen waren in der Regel ebenfalls zwölf Wochen lang, mit der Ausnahme von nur acht Wochen in Semester drei und fünf, aber dafür einer langen Praxisphase von sieben Monaten im vierten Semester. Die Theoriephasen waren geprägt von einem wöchentlich wechselnden Stundenplan mit fünf bis sechs Modulen je Semester, in denen zum Ende der Theoriephase eine schriftliche oder mündliche Prüfung abgelegt werden musste. Die Vorlesungen, gehalten von fest angestellten Professorinnen und Professoren sowie Dozenten aus der freien Wirtschaft, hatten „Klassenzimmer-Charakter“. Ich saß mit weiteren 29 dualen Studenten des gleichen Studiengangs in einem Vorlesungssaal. Das Altersspektrum reichte von mir, als anfangs 17-jähigen, bis zum Kommilitonen mit 40 Jahren Lebenserfahrung.

Die Studieninhalte des betriebswirtschaftlichen Studiums mit Schwerpunkt Transport und Logistik reichten von Grundkenntnissen in Mathematik, Informatik und Wirtschaftsenglisch über die betriebswirtschaftlichen Schwerpunkte in allgemeiner Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Volkswirtschaftslehre und Recht bis hin zu Personalführung und den fachspezifischen Modulen Landverkehr, See- und Luftfracht, Zoll und Logistik. Nach dem ersten und zweiten Studienjahr mussten kleinere wissenschaftliche Praxisarbeiten abgegeben werden, bevor zum Abschluss des Studiums die Bachelorarbeit mit anschließender Verteidigung anstand.

Der ständige Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphase machte das Studium abwechslungsreich und schnelllebig, sodass die drei Jahre gefühlt wie im Flug vergingen. Gleichzeitig stellte dies aber auch eine Herausforderung dar, da ich alle paar Monate umziehen musste. Kaum hatte ich mein Zimmer im Studentenwohnheim auf dem Campus der Berufsakademie bezogen, musste ich dieses auch schon wieder räumen. Um ehrlich zu sein war dies die nervigste und unangenehmste Seite des Studiums. Die größte Herausforderung für mich stellte jedoch das erste Semester dar. Mit 17 Jahren kam ich an einen für mich total fremden Ort mit unzähligen fremden Menschen. Die Eingewöhnungszeit benötigte schon einige Tage bis Wochen. Zudem musste alle zwei bis drei Wochen der etwa 220 km lange Weg in die Heimat und zurück zum Studienort organisiert werden, was nicht immer ganz leicht war. Meine Familie unterstützte mich in dieser Hinsicht jedoch sehr gut, indem sie anfangs die ganze Strecke mit mir im Auto verbrachten. Später nutzte ich dann Mitfahrgelegenheiten von Kommilitonen oder über Mitfahrzentralen, zumindest über eine größere Teilstrecke, sodass die Belastung für meine Familie reduziert werden konnte. Ab dem zweiten Semester legte ich die Strecken dann mit dem eigenen Auto zurück, was die ganze Sache deutlich vereinfachte.

Mit Rückblick auf mein duales Studium – circa ein Jahr nach Beendigung – kann ich sagen, dass ich diese Entscheidung wieder so treffen würde und kann ein duales Studium nur empfehlen. Ich wurde von meinem Ausbildungsunternehmen nicht nur übernommen, sondern habe mir während der Studienzeit sogar so viel Vertrauen erarbeiten können, dass ich danach mit einer verantwortungsvollen Stelle betraut wurde.

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Aleksandra N.D. Engler

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