Die Uiguren – Knechte der Weltpolitik

Die Uiguren sind leider im Weg -die chinesische Führung unterdrückt und überwacht sie, sperrt sie präventiv ein, unterzieht sie einer Gehirnwäsche und misshandelt sie mit Spritzen. Die kommunistische Partei will sich ihre Loyalität sichern. Alles zum Wohle des Landes! Doch das Leid der Uiguren hat nicht nur etwas mit dem Liebesbedürfnis der kommunistischen Partei zu tun, sondern auch mit dem größten Vorhaben Chinas. Denn das größte Projekt der Vergangenheit soll wieder Zukunft werden: Die Seidenstraße, bei dem die chinesische Führung nichts dem Zufall überlässt, ein Projekt, an dem die ganze Welt teilhaben - und vor allem profitieren soll. Erklärt dieser Profit die Anteillosigkeit der internationalen Gemeinschaft an dem Leid der Uiguren?

Die totale Überwachung

Die chinesische Regierung hat einen enormen „Sicherheitsapparat“ gebaut. In der Überwachungstechnik, zum Beispiel der Gesichtserkennung, sind chinesische Firmen marktführend. Leider zu Lasten der muslimischen, aber auch jeder anderen Minderheit im Land: Er wird eingesetzt um sie rund um die Uhr zu überwachen. Überall finden sich „Checkpoints“ in den Gebieten der Uiguren, an denen ihre Handys durchsucht werden, auf der Suche nach Indizien und Rechtfertigungen für die Internierung in ein Lager. Zeugen berichten, dass sie in das Lager entführt wurden, weil sie traditionelle Bilder und Videos ihres Glaubens oder Herkunft auf dem Handy hatten, Whatsapp installierten oder familiäre Kontakte ins Ausland haben, um wenige belegte Beispiele zu nennen. Eine Reise ins Ausland genügt auch schon, um verhaftet zu werden. Auch vor prominenten Akteuren mit uigurischen Wurzeln macht man keinen Halt: Sänger, Geschäftsleute, und Schauspieler fallen der systematischen Internierung zum Opfer. Für Chinas Regierung, dessen Oberhaupt Xi Jinping ist, stellen die Uiguren des Landes eine Bedrohung dar: Denn er will die bedingungslose Loyalität ihrer Bürger. Die Religion aber stellt Gott, den Glauben an ihn und die Verpflichtungen ihm gegenüber, über alles irdische, zum Schrecken Jinping’s sogar über die kommunistische Partei. Zusätzlich haben die Uiguren nicht nur eine eigene Religion: Sie haben eine eigene Flagge, eigene Kultur und eigene Geschichte. Kurz: Sie sind ein eigenes Volk, eine Identität, die im kommunistischen China nicht existieren darf. Das sie es dennoch tut, ist ein Problem für die Regierung. Doch auch die Seidenstraße spielt eine enorme Rolle, weshalb sich die Führung dazu gezwungen sieht, die Gefahr durch die Uiguren zu Lasten der Menschenrechte zu bändigen: Sie verläuft genau durch das Gebiet der muslimischen Minderheit.

Geographie: Nachteil für die Uiguren 

Leider haben die Uiguren den Nachteil, direkt dort angesiedelt zu sein, wo die Straße ihren Ausgangspunkt von China aus hat. Das Großprojekt verläuft durch das Gebiet Xinjang, welches sich im Nord-Westlichen Teil Chinas befindet, an der Grenze zu Kasachstan. Die Seidenstraße verläuft mit ihrer Zuglinie durch Urumqu, welche größtenteils von Uiguren bewohnt wird. Des Öfteren kam es zu Aufständen und Konflikten in diesem Gebiet. Die Regierung will jegliches Risiko für ihren Traum der Seidenstraße eliminieren - So auch die Uiguren, wobei das Wort eliminieren der Wahrheit entspricht. International wurden die Einrichtungen schon als Konzentrationslager 2.0 charakterisiert.

Als Vorwand für die schändliche Inhaftierung wird die „islamistische Terrorgefahr“ genutzt, welche man versucht zu bändigen. Somit gibt es dem ganzen einen „legalen“ Rahmen, denn wer würde sich nicht gegen Terror wehren. Damit schließt sich die chinesische Regierung der international aufkommenden, zum Teil stark propagierten und politisch schon oft genutzten Angst vor „islamischem“ Terror an. Es kam auch tatsächlich immer wieder zu Anschlägen, so auch 2013. Mehrere Sprengsätze sind in der Nähe eines kommunistischen Regierungsgebäudes explodiert, Tage später fuhr eine uigurische Familie mit ihrem Auto in eine Menschenmasse. Grund für die Anschläge sind die Benachteiligungen denen sich die Uiguren ausgesetzt sehen. Ob eine verstärkte Benachteiligung durch die Regierung zur Minderung dieser Gefahr beiträgt, lässt Zweifel aufkommen.  

Zwischen Moral, Profit und Angst

Die Dimension der Seidenstraße ist enorm: Ein internationales Projekt, durch welches China im internationalen Raum Fuß fasst. Es verpflichtet auch alle nächsten Regierungen. Die internationale Gemeinschaft hat bis dato auf den Missbrauch an den Uiguren nicht in ernsthaft wirkungsvollem Maße reagiert: Es bleibt bei förmlichen Verurteilungen, deren Sinn und Zweck einzig die Beruhigung des eigenen Volkes ist. Sie scheint gefangen zwischen der Pflicht, sich für das unterdrückte Volk der Uiguren einzusetzen und der einzigartigen Möglichkeiten bei einem der größten internationalen Projekte Profit zu schlagen, vielleicht sogar gelähmt durch die Angst, ungewollte Bewegungen in Gang zu setzen. Doch wie könnte die internationale Gemeinschaft regieren? Eine militärische Lösung ist keine Option, wir wollen helfen und nicht den dritten Weltkrieg auslösen. Doch die chinesische Regierung ist verwundbar: Sie ist auf die Kooperation aller Staaten angewiesen, durch die ihre Seidenstraße verläuft: Wenn sie sich auf einen Gemeinsamen Standpunkt einlassen würden, könnten  sie erheblichen Druck auf China ausüben. Es ist Chinas unbedingter Wille, die Seidenstraße in ihrer geplanten Form umzusetzen. Wenn es dazu bedürfe, die Uiguren in Ruhe zu lassen, werden sie das weniger schlimme Übel hinnehmen, um ihr Projekt realisieren zu können. Dies kann nur geschehen, wenn die betroffenen Staaten ihre Einwilligung geben. Die Mehrheit würde diesen Vorschlag als naiv bezeichnen, womit sie höchstwahrscheinlich Recht hat, denn viele der benötigten Einverständniserklärungen der Staaten hat China schon in der Tasche.

Die Uiguren können somit auf keine Unterstützung im Ausland hoffen. Die Befangenheit zwischen Moral und Profit und dem Unwillen, aktiv zu werden, lässt im Endeffekt alle Seiten schweigen und nicht einmal den Versuch wagen, die chinesische Regierung damit zu konfrontieren. Westliche Medien jedoch berichten zahlreich über die Situation der Uiguren – eine gute Entwicklung und eine Möglichkeit, Druck auf die Regierungen ausüben zu können. Es haben sich ebenfalls viele Organisationen gegründet, um die uigurische Kultur zu lehren und zu festigen und um gegen die Misshandlung zu kämpfen.

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Aleksandra N.D. Engler

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